Waldbaden

In den Wäldern sind Dinge, über die nachzudenken, man jahrelang im Moos liegen könnte.  (Franz Kafka)

Annette im Wald

Shinrin Yoku ist japanisch und bedeutet übersetzt „ein Bad in der Atmosphäre
des Waldes nehmen“ – oder kurz „Waldbaden“

Ein Bad im Wald senkt den Blutdruck, reguliert den Puls und reduziert auf natürliche Weise Stresshormone wie das Adrenalin.  Endlich gibt es auch eine wissenschaftliche Erklärung dafür, was wir sofort spüren, wenn wir uns im Wald bewegen: der Aufenthalt im Wald  zwischen all dem quirligen Leben tut uns gut und ist gesund. Neuere Studien belegen: Pflanzen sind nicht nur fähig mit ihrer Umgebung zu kommunizieren, sie kommunizieren auch mit dem Immunsystem des Menschen und ein Aufenthalt in der Waldluft  vermehrt und aktiviert unsere natürlichen Killerzellen und stärkt so unsere Widerstandskraft. Weitere  Info´s sind unter dem Begriff Biophilia-Effekt  oder auch Heilwirkung des Waldes im Netz zu finden.
Dieses Wissen macht Waldbaden für alle Menschen interessant.                                                        In der heutigen hektischen, stressgeplagten Gesellschaft ist diese Methode, die fast nichts kostet und doch so effektiv wirkt, jedem zu empfehlen.

Im Unterschied zu einem „normalen“  Spaziergang im Wald geht es beim Waldbaden um mehr als nur an der frischen Luft und im Grünen zu sein, bei dem wir häufig ein bestimmtes Ziel verfolgen. Sei es , daß wir uns aus „gesundheitlichen“ Gründen“ aufgerafft haben kurz mal „vor die Tür“ zu gehen oder joggen um den Kreislauf in Schwung zu bringen, nicht selten begleitet von dem unaufhörlichen Geplapper der Gedanken in unserem Kopf.

Beim Waldbaden hält sich der Mensch ebenfalls für eine bestimmte Zeit im Wald auf, aber ohne Ziel, ohne Bewertung, still, mit offenen Sinnen, neugierig und staunend, entspannt. Der Atem gibt den Takt und wir genießen einfach die lebendige Natur um uns herum, schulen unsere Wahrnehmung und Entspannen auf einer tiefen Ebene. Kleine, von mir angeleitete  Übungen unterstützen und vertiefen unser Erleben.

Wir sind ein Teil des Waldes, baden in seiner Atmosphäre und dazu müssen wir nichts können oder leisten, nur Da-Sein.

Im Anschluß gibt es einen Austausch bzw. Feedbackrunde, bei dem das Erlebte reflektiert werden kann.

Ich verstehe mich in diesem Kurs als Vermittler zwischen Mensch und Natur und lade alle herzlich ein sich mir und dem Wald anzuvertrauen.

 Zur Veranstaltung Waldbaden

Presse zur Veranstaltung im Mai 2017

Nicht nur Andenken haben die Teilnehmer gesammelt, sondern auch viele neue Eindrücke aus dem Wald mitgenommen. Von links: Klemens Funk, Gabriele Leonardy, Manuela Klein-Reiber, Karin Rimbacher und Anneliese und Xaver Grimm.

 

Weitere Info´s zum Thema Waldbaden:

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Die positiven Auswirkungen des Waldbadens

Der Aufenthalt im Wald und in der Natur hat enorm viele positive Auswirkungen auf unseren Körper, unsere Seele und unseren Geist. Einige Auswirkungen werden im Folgenden verkürzt wiedergegeben.

Positiven Auswirkungen auf unserer Gefühlsebene:

  • Entspannung von Seele und Körper
  • Wir lernen wieder Stille zu genießen
  • Gedanken können schweifen
  • Besseres „Durchatmen“
  • Positive Stimmung
  • Wir werden inspiriert
  • Eine tiefe und klare Intuition stellt sich ein
  • Wir werden glücklicher
  • Zuwachs an Lebensenergie
  • Verständnis für die Natur – unsere Natur – wächst
  • . . . und sicher noch Vieles Mehr, was jeden persönlich betrifft

 Als wissenschaftlich erwiesen gilt:

  • Der Wald nimmt den Lärm, bereits 100 Meter vom Waldrand ist der Lärm nur noch halb so stark. Das wirkt sich positiv auf alle Beschwerden aus, die durch Reizüberflutung entstehen (Konzentrationsmangel, Kopfschmerzen, Augenprobleme, Hörpobleme …)
  • Grün wirkt beruhigend. In der medizinischen Farbtherapie, gilt Grün als Farbe, die den Rhythmus von Herz und Nieren ausbalanciert. Auch bei Magengeschwüren, Allergien, Augenermüdung sowie bei Anzeichen vorzeitigen Alterns, wird Grün eingesetzt. Grün lässt Kräfte sammeln und regeneriert. Grün stärkt das Auge für alle anderen Eindrücke.
  • Die Baumkronen bewirken durch ihr Blätterdach und durch Verdunstung:
    • angenehme Kühle
    • höhere Luftfeuchtigkeit
    • weniger Wind
    • geringere Lichtintensität
  • das wirkt sich zum Beispiel posititiv aus auf Beschwerden der Atemwege und bei Kopfschmerzen
  • Federnder Boden ist gut bei Gelenk- und Rückenbeschwerden
  • Alleine der Anblick von Wald heilt (das ist erwiesen! – Patienten einer Klinik brauchten nach der OP weniger Schmerzmittel und konnten früher entlassen werden, wenn sie auf Wald – siehe oben „Grün“, statt auf eine Mauer geschaut haben)
  • bewiesen ist, dass Lernen in der Natur kognitive Vorteile hat und sich positiv auswirkt auf Konzentration, Selbstdisziplin, Wahrnehmungsfähigkeit, Gedächtnis und Aufmerksamkeit)
  • sowie neben den körperlichen Vorteilen auch in der sozialen Entwicklung Vorteile aufweist, wie zum Beispiel das bessere Zusammenarbeiten der Kinder
  • Der Wald (vor allem lichte Baumbestände) – aktiviert den Parasympathikus sehr stark, sodass die Stresshormone Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin stark zurückgehen (hilft Jedem, aber insbesondere auch Patienten mit Burnout, Depressionen, bei ADHS und bei Panik- und Angststörungen)
  • Stress wird insgesamt besser bewältigt
  • Pflanzlichen Terpene üben pharmakologische Wirkungen auf Menschen aus, schützen den Körper vor freien Radikalen, töten Krankheitserreger und beeinflussen das Immunsystem (das stark mit der Psyche zusammenhängt)
  • Die natürlichen Killerzellen werden erhöht und aktiver
  • Das Niveau der Anti-Krebs-Proteine, mit dem das Immunsystem Krebs vorbeugt, wird im Wald deutlich erhöht
  • Der Blutdruck wird gesenkt (auch durch die Aufnahme von Substanzen in der Waldluft, nicht nur durch psychologische Wirkungsweise!)
  • Verbesserter Schlaf
  • Beschleunigte Erholung nach Krankheit
  • Erhöhung des Hormons DHEA
  • Die Stimulation der Sinne durch Natureindrücke hat einen positiven Effekt auf Menschen, die unter Demenz oder Alzheimer leiden, Natur als Therapeutikum !
  • So steigt die Konzentrationsfähigkeit älterer Menschen nach dem Aufenthalt in der Natur.
  • Demente Personen leiden außerdem weniger unter Unruhe und Aggressionen, wenn sie sich in einer natürlichen Umgebung aufhalten
  • Die Luft im Wald ist so staubarm wie am Meer oder in den Bergen – siehe hierzu die Ausführungen unten bei Nadelwald

Insbesondere für den Nadelwald gilt noch folgendes

  • Die ätherischen Öle und Terpene von Nadelbäumen haben eine erfrischende, desinfizierende und für die Bronchien heilsame Wirkung
  • Die Nadeln wirken auch im Winter wie ein Sieb, in dem Staub hängen bleibt (im Vergleich: in der Stadt bis zu 500.000 lungengängige Staubteilchen zu ein paar Tausend im Wald, das heißt die Luft ist bis zu 90 – 99 % staubärmer)
  • Nadelbäume sind ein wichtiger Lebensraum für Moose, Flechten und Pilze
  • Die Nadelspitzen wirken als Kondensationspunkte, das heißt sie fördern die Taubildung und dienen so der zusätzlichen Wassergewinnung, erfrischt zusätzlich bei einem Aufenthalt im Wald – insbesondere auch im Winter.

Quelle: https://www.waldbaden.com/waldbaden/positive-auswirkungen/

Dr. Qing Li’s Empfehlungen zum Waldbaden

Qing Li ist Professor an der Nippon Medical School in Tokio, an der Wald-Medizin gelehrt wird!
Er ist derzeit der Präsident der Japanischen Gesellschaft für Wald-Medizin, die 2007 gegründet wurde. Dr. Li hat eine Reihe von Experimenten durchgeführt, um die Auswirkungen von Waldbaden auf unsere Stimmung , Stress und das Immunsystem zu testen.

Dr. Qing Li’s Tipps fürs Waldbaden:

  • Mache dir einen Spazier- oder Wanderplan nach deiner persönlichen Konstitution
  • Du solltest beim Waldbaden nicht müde werden.
  • Wenn du müde wirst, kannst du dich überall und wo du möchtest ausruhen.
  • Wenn du durstig wirst, solltest du Wasser oder Tee trinken,
    wo immer Sie möchtest (beim Planen deines Waldbades daran denken, etwas mitzunehmen)
  • Wenn du den ganzen Tag Zeit hast, solltest du mindestens 4 Stunden waldbaden und dabei zu Fuß etwa 5 Kilometer zurücklegen.
  • Wenn du nur einen halben Tag waldbaden möchtest, dann solltest du mindestens 2 Stunden im Wald bleiben und etwa 2,5 Kilometer zurücklegen.
  • Bitte finde einen Platz im Wald, der dir gefällt. Du kannst dort sitzen und lesen oder einfach nur die schöne Landschaft genießen.
  • Wähle das Waldbaden ganz nach deinen persönlichen Zielen aus.
  • Wenn du möchtest, nimm nach dem Waldbaden ein warmes Bad zu Hause.
  • Wenn du dein Immunsystem steigern willst (die Anzahl und die Aktivität deiner Killerzellen erhöhen willst), empfiehlt Dr. Li ein dreitägiges Waldbad zu nehmen (etwa 1 mal im Monat, da die erhöhte Aktivität der Killerzellen nach einem 3-tägigen Aufenthalt etwa 30 Tage anhält)
  • Wenn du „nur“ den Stress reduzieren willst, empfiehlt Dr. Li einen Tagesausflug in ein Waldgebiet in deiner Nähe
  • Ganz wichtig: Waldbaden ist eine vorbeugende Maßnahme, um gesund zu bleiben.
    Deshalb: wenn du dich krank  fühlst, solltest du nach einen Arzt aufsuchen und nicht den Wald….

Dr. Li sagt auch, „dass es während des Waldbadens nicht wichtig ist sich körperlich zu verausgaben, sondern man sollte den Wald mit allen fünf Sinnen genießen: das Murmeln eines Baches, Vogelgesang, grüne Farbe, Duft des Waldes, etwas aus dem Wald essen und einfach die Bäume spüren“.

(Quelle : http://www.hphpcentral.com/article/forest-bathing)

Auch die alten Dichter und Denker kannten den Wirkung des Waldes auf die menschliche Seele:

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Natur und Kunst

Ich hab‘ ein reizend‘ Lied vernommen,
Es war nicht dur, es war nicht moll,
Es war nicht künstlerisch vollkommen,
Jedoch es klang so wundervoll.
Es war ein Sang aus Himmelshöhen,
Der schnell die Sorgen niederzwang:
Es war beim ersten Frühlingswehen
Der Lerchen  jubelnder Gesang.

Ich konnte auch ein Bild beschauen,
Das war nicht stilgerecht gruppiert,
Die gelben Farben und die blauen
Nicht mit Messe kontrastiert;
Und dennoch war es zum Entzücken
Und alle Herzen riß es hin,
Es war ein Bild zum Vollerquicken:
Es war der Wald im frischen Grün.

Da bin ich denn hinausgezogen,
So oft ich konnt‘, zum grünen Wald,
In dessen mächt’gen Wölbungsbogen
Der Sang der Vöglein widerhallt.
Ich habe dort die Kunst bewundert,
Wie alles wächst und wallt und webt,
Und hab‘ in diesem Drangjahrhundert
Genießend als ein Mensch gelebt.

 (Adolf Roehn) Aus der Sammlung Natur und Wanderlust

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